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17.05.2019

Interaction of color and form

Josef Albers im Dialog mit Werken von
 Larry Bell, Ólafur Elíasson und Bridget Riley


Anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses präsentierte das Ungers Archiv für Architekturwissenschaft eine Ausstellung zum übergeordneten Thema Wahrnehmung, die auf der legendären Untersuchung "Interaction of Color" von Josef Albers (1888–1976) aus dem Jahr 1963 basierte. Die Grundidee war, mit Albers einen der großen, wegweisenden Bauhaus-Lehrer (und späteren Lehrer am Black Mountain College und der Yale University) im geistigen Kontext des UAA und im visuellen Dialog mit wenigen ausgewählten Künstlern zu präsentieren, für die Farbe, Form und Wahrnehmung eine ebensolche Bedeutung haben. Gerahmte Blätter seiner "Interaction of Color" – die in der hochrangigen und außergewöhnlichen Bibliothek mit architekturtheoretischem Schwerpunkt von O.M. und Liselotte Ungers beherbergt sind –, waren Ausgangspunkt der Korrespondenzen im Raum. Ausgewählte Publikationen wie Philipp Otto Runges "Farben-Kugeln" (1810), Johann Wolfgang von Goethes "Farbenlehre" (1810), Wilhelm Oswalds "Farbenfibel" (1917) und Johannes Ittens "Kunst der Farbe" (1961) und von weiteren Künstlern wurden in einer Vitrine präsentiert um das Thema der Ausstellung ergänzend zu vertiefen.

Josef Albers erforschte mit Farben, Formen, Linien, Flächen und ihren Wechselwirkungen die optische, kognitive und auch subjektive Achtsamkeit und Wahrnehmung – diese grundlegenden ästhetischen Hinterfragungen haben bis heute Gültigkeit. Seine Werke sind unverwechselbar, formal konsequent, subtil und forderten vom Betrachter ein aufmerksames Hinsehen. In der von der Yale University Press verlegten Publikation formulierte er: "In visual perception a color is almost never seen as it really is – as it physically is. This fact makes color the most relative medium in art." Der Dialog zwischen den zeitlich deutlich auseinanderliegenden künstlerischen Strategien und Handschriften zeigten allein an dieser exemplarischen Auswahl, wie relevant diese formalen Untersuchungen bis heute sind – in der Architektur, dem Design und der bildenden Kunst.

Die geistig-spirituelle Dimension in Albers' Werk hatte auch große Auswirkung auf die amerikanische Kunst der 1960er Jahre, insbesondere der Minimal Art, und so lag es nahe, mit Larry Bell (geb. 1939) einen der herausragenden Künstler dieser Zeit einzuladen. Seine Skulpturen aus Glas visualisierten auf mehrdimensionaler Ebene sein tiefes Verständnis von Farbe und Form sowie ihrer Interaktion durch Refraktion und Reflexion als dynamische Kräfte im Sinne einer erweiterten, durchdringenden Wahrnehmung. Sie führten die Untersuchungen Albers' in die dritte Dimension.

Mit Bridget Riley (geb. 1931) wurde das Thema der Ausstellung um den Aspekt der optischen Illusion erweitert, da ihre Kompositionen Bewegung und auch Dreidimensionalität vermitteln. Sie prägte wie keine andere die Op Art der 1960er Jahre und ihre formal fein austarierten Werke sind präzise malerische Setzungen mittels strukturierter und wiederholter Form und Farbe, da schon kleinste geometrische oder farbliche Ungenauigkeiten den optischen Effekt verändern. In großer Konsequenz und Kompromisslosigkeit widmet sie sich der Erforschung von Farbe und ihrer Beziehung zum Licht. Es entstehen formal bewegte, aus klar abgegrenzten Farbflächen entwickelte Bilder, die teilweise irritierende Sinneseindrücke beim Sehen hervorrufen: Je nach Standort, Blickwinkel und Fokus des Betrachters ergibt sich die von der Künstlerin intendierte visuelle Aussage und das individuelle Seherlebnis.

Bridget Rileys Erforschung der Wahrnehmung und Larry Bells Beobachtungen von Naturphänomenen wie Wasser und Nebel an der Küste Kaliforniens leiten über zu Ólafur Elíasson (geb. 1967), dessen Beitrag die Ausstellung in die jüngste Gegenwart trug. Der Künstler, bekannt für seine profunden naturwissenschaftlichen und künstlerischen Untersuchungen, beschäftigt sich sowohl mit gesellschaftlich brisanten, aktuellen Themen als auch mit physikalischen Phänomenen in der Natur. Licht, Wasser, Bewegung und Reflexion werden in experimentellen, technisch hoch aufwendigen Installationen und ebenso feinen, poetischen Werken präsentiert. Die Natur und ihre Beobachtung ist dabei seine "Werkzeugkiste", die emotional und intellektuell verbindet. In genauer Kenntnis der unterschiedlichen Farblehren, der physikalischen Gesetze und der Naturbeobachtungen untersuchten seine ausgestellten, poetischen Arbeiten Farbe, Licht und Schatten, Formen und Linien sowie "ungeordnete" Reaktionen/Farbverläufe – mit Pigmenten und Wasser in Form eines schmelzenden Gletschereiswürfels während des (vom Künstler fast autonomen) Malprozesses. Sie waren ein visueller Kontrapunkt zu den "geordneten" Strukturen der anderen Künstler der Ausstellung. Alle einte jedoch das Wissen um die Interaktion von Farbe und Form im Sinne einer vertieften Wahrnehmung sowie ihr jeweiliger Anspruch einer ästhetisch-sinnlichen Formulierung.

Die Ausstellung wurde von Susanne Kleine kuratiert.

Ausstellungsdauer: 08.04. - 17.05.2019

Mit freundlicher Unterstützung von:



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